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Träume von 1989, aktuell bis heute

Genuine Generation

„HERITAGE“, „MEMBER OF THE WILDLIFE SAFARI“, „SAILING THE SEVEN SEAS“, „ALL THE WAY TO CLOUDBASE“, „GUARDING THE COASTLINE“, „GENUINE GENERATION“ sind nicht nur Slogans, die auf T-Shirts und Hemden zu lesen sind, sie treffen Aussagen, die sich unabhängig der textilen Verarbeitung deuten lassen. Die Sprüche lassen sich auf Träume beziehen, die 1989 bis heute aktuell sind: Reisefreiheit wurde bei den Montagsdemonstrationen gefordert, die Sehnsucht nach Urlaub im Süden und dem mediterranen Leben ist immer noch der Traum von vielen. „Sailing the Seven Seas“ oder „All the way to Cloudbase“ enthält den Wunsch nach der Weltreise, sei es, als kerniger Midlifecrisler auf dem Segelschiff oder ganz kosmopolit mit der Lufthansa. Wenn textil von einer „genuine generation“ gesprochen wird oder mit „guarding the coastline“ assoziativ die aktuelle Situation vor den Mittelmeerküsten vor Augen tritt, wird deutlich, wie viel (ungewolltes) Interpretationspotential die Sprüche bereithalten können. Hier setzt Ronny Szillos Projekt an. Sprüche auf Shirts oder Hemden umgeben uns tagtäglich und sind, obwohl sie selten gelesen und nur bildhaft wahrgenommen werden, in unser kollektives Bildgedächtnis übergegangen. Indem sie entkontextualisiert im Stadtraum gezeigt werden, können sie, für sich stehend, als Einladung zur freien Assoziation gesehen werden. Fragen werden aufgeworfen: Warum sind die Forderungen und Wünsche der Wendezeit nicht, oder zumindest nicht für alle, in Erfüllung gegangen? Die Reisefreiheit wurde gefordert, heute aber, will niemand „die Fremden“ vor der eigenen Haustür haben. Wie konnte sich die progressive Energie in Ideen verwandeln, die jenen der Wende so stark entgegenstehen?

Anlässlich „30 Jahre Friedliche Revolution“ und im Auftrag der Stadt Leipzig veranstaltete die HALLE 14 – Zentrum für zeitgenössische Kunst für das Lichtfest Leipzig einen Ideenwettbewerb unter den Kunst- und Kulturschaffenden der Freien Szene Leipzig. Den 1. Preis erhielt der Medienkünstler Ronny Szillo.

Sein Projekt „Genuine Generation“ nimmt laut Jury „humorvoll wie prägnant auf eine unternehmerische Erfolgsgeschichte aus den Neuen Bundesländern“ Bezug, „in der die Freiheitssehnsüchte von 1989 ausgedrückt, aber auch kommerzialisiert werden.“

Beim Lichtfest am 9. Oktober wird „Genuine Generation“ an der G2 Kunsthalle am Dittrichring 13/Ecke Gottschedstraße zu sehen sein. Über das Lichtfest hinaus wird das Projekt über den Instagramaccount „genuine generation“ dokumentiert.